Auf zu neuen Ufern: Gute Gründe für den Jobwechsel

Von Christina Holl on 7. September 2018
Geschätzte Lesedauer: 8 Minuten

Eine berufliche Veränderung will gut überlegt sein. Ausgangspunkt sind die Gründe für einen Jobwechsel. Sie zeigen, welche Bedürfnisse hinter dem Wunsch nach Neuorientierung stecken. Hier erfahren Sie, wie Sie bei Ihrer persönlichen Motivforschung vorgehen, welche Gründe gut sind – und welche schlecht.

Warum wollen Sie den Job wechseln?

Eine neue berufliche Herausforderung kann Ihre Karriere fördern. Allerdings ist sie auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Denn im Vorhinein weiss niemand, ob ein Jobwechsel tatsächlich die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt. Doch je besser Sie diese Entscheidung vorbereiten, desto eher wird sie sich als Erfolg erweisen. Zur guten Planung gehört an erster Stelle Motivforschung. Heisst: Sie sollten sich über die Gründe für einen Jobwechsel im Klaren sein. Diese Erkenntnis hilft nicht nur Ihnen bei der Auswahl Ihrer nächsten Stelle, sondern erleichtert es auch den Personalverantwortlichen eines potenziellen Arbeitgebers, Sie und Ihren Wert als neue Kraft einzuschätzen.

Beide Aspekte sind für Ihre weitere Laufbahn von Bedeutung, denn sie bilden die Basis für die Ausgestaltung Ihres nächsten Beschäftigungsverhältnisses. Das soll schliesslich sowohl Ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtigen als auch die Erwartungen, die an Sie gestellt werden. Deshalb ist es so wichtig, herauszufinden, warum Sie sich anderweitig orientieren. Und so erkennen Sie gleichzeitig auch, wann ein Jobwechsel sinnvoll ist.

Wann ist ein Jobwechsel sinnvoll?

Diese Frage können nur Sie allein stichhaltig beantworten. Doch denken Sie dabei nicht ausschliesslich an einen bestimmten Zeitpunkt. Wichtiger sind die Umstände, die für eine Neuorientierung sprechen. Wenn Sie die kennen, ergibt sich der richtige Moment für den Absprung praktisch von selbst.

Generell gibt es zwei Motivationen für einen Jobwechsel: Entweder möchten Sie von Ihrer alten Position weg oder Sie möchten zu einer anderen Position hin. Im ersten Fall sind Sie mit der Situation an Ihrem aktuellen Arbeitsplatz so unzufrieden, dass Sie ihn verlassen oder gar vor ihm flüchten wollen. Im zweiten Fall haben Sie ein bestimmtes berufliches Ziel vor Augen, das Sie erreichen möchten.

Welche Variante trifft auf Sie zu? Darauf sollten Sie eine schlüssige Antwort haben. Ansonsten bleiben Ihre Gründe für den Jobwechsel diffus, und das ist keine gute Voraussetzung. Sie brauchen in diesem Punkt unbedingt Klarheit. Fehlt die, kann sich die neue Stelle leicht als Fehlgriff erweisen, weil sie nicht Ihren wahren Bedürfnissen entspricht.

Wann man den Job wechseln sollte, ist also stets eine individuelle Entscheidung. Dabei können folgende Fragen hinsichtlich Ihrer derzeitigen Beschäftigung helfen:

  • Haben Sie Ihre mit dem aktuellen Job verbundenen Ziele erreicht?
  • Sind Sie mit Ihren Aufgaben zufrieden?
  • Bekommen Sie genug Gehalt?
  • Fühlen Sie sich von Ihren Führungskräften ausreichend wertgeschätzt?
  • Kommen Sie mit den anderen Mitgliedern in Ihrem Team gut zurecht?
  • Gibt es für Sie attraktive Aufstiegsmöglichkeiten?
  • Passt Ihr Job noch zu Ihren Lebensumständen?
  • Fühlen Sie sich allgemein unwohl?

Auf ähnliche Art und Weise können Sie sich auch den eigenen Erwartungen an eine neue Aufgabe nähern:

  • Wollen Sie mehr Verantwortung tragen?
  • Geht es Ihnen um ein höheres Einkommen?
  • Brauchen Sie mehr Freiheit und Eigenständigkeit im Job?
  • Wünschen Sie sich mehr geldwerte Vorteile?
  • Sind Sie an einem bestimmten Unternehmen oder einer bestimmten Position interessiert?
  • Möchten Sie vielleicht etwas ganz anderes machen?

Aus den Antworten lässt sich in der Regel erkennen, in welche Richtung es Sie treibt: weg von einem Unternehmen oder hin zu einem anderen. Eng damit verbunden ist, was Sie grundsätzlich von einem neuen Arbeitsplatz erwarten und ob er Ihre Vorstellungen erfüllen kann.

Manchmal sind die Gründe für einen Jobwechsel auch ganz privater Natur: eine Heirat, Nachwuchs, ein notwendiger Umzug, eine angeschlagene Gesundheit. Aber auch unter diesen Umständen sollten Sie nicht einfach die erstbeste berufliche Gelegenheit ergreifen, sondern möglichst überlegt und strategisch entscheiden.

Wichtig für Ihre Bewerbung: Die Gründe für einen Jobwechsel

Es klang bereits an: Ihre Gründe für einen Arbeitsplatzwechsel sind auch für den Bewerbungsprozess von Belang. Schliesslich wird so Ihre Motivation dahinter deutlich. Personalverantwortliche leiten daraus beispielsweise ab, …

  • ob Sie Ihre Entscheidung gut vorbereitet haben.
  • welche Erwartungen Sie an eine neue Stelle haben.
  • wie Ihre langfristigen Pläne aussehen.
  • wie zielstrebig Sie sind.
  • ob Ihre Einstellung zur Unternehmenskultur passt.

Einen besonders guten Eindruck hinterlassen Sie, wenn Sie sich für eine neue Position entscheiden – und nicht gegen Ihre alte. Aber auch wenn es anders ist: Bleiben Sie stets bei der Wahrheit. Allerdings geht nicht jeder Grund für einen Jobwechsel die Personalabteilung etwas an. Das gilt zum Beispiel für den Fall, dass Sie im Streit mit Ihrem bisherigen Arbeitgeber gehen.

Es kommt natürlich auch auf Ihr persönliches Auftreten an. Deshalb sollten Sie …

  • zeigen, dass Sie sehr an der betreffenden Stelle interessiert sind. Dabei hilft es, wenn Sie sich im Vorfeld Ihrer Bewerbung genau über das Unternehmen und die jeweilige Position informieren.
  • Ihre Entscheidung individuell und nachvollziehbar erläutern und sie als vorteilhaft für den potenziellen neuen Arbeitgeber herausstellen.
  • Sich gut auf Fragen vorbereiten, etwa zu Ihrer beruflichen Zukunft und warum Ihre Wahl auf dieses Unternehmen gefallen ist.

Was Sie dabei an Motiven guten Gewissens nennen können und was Sie besser nicht als vorrangigen Anlass angeben, zeigen die beiden folgenden Kapitel.

5 gute Gründe, den Job zu wechseln

  • Die persönliche Situation: Ein neuer Wohnort, eine bessere Work-Life-Balance oder familiäre Veränderungen sind nachvollziehbare Motive für einen Jobwechsel. Formulierungstipps für die Bewerbung: „Es hat sich eine familiäre Veränderung ergeben, die mich zu einer neuen beruflichen Orientierung motiviert.“ Oder: „Meine aktuelle Beschäftigung wird meiner neuen privaten Situation nicht mehr gerecht. Deshalb suche ich eine passendere berufliche Lösung.“
  • Die berufliche Weiterentwicklung: Sie möchten mehr Verantwortung haben, mehr Kompetenzen sammeln oder neue Erfahrungen machen. Formulierungstipps für die Bewerbung: „Meine momentanen Laufbahnmöglichkeiten sind in meinem bisherigen Unternehmen begrenzt. Bei Ihnen sehe ich für mich bessere Entwicklungschancen.“ Oder: „Auf Ihrer Stelle kann ich mich perspektivisch optimal aufstellen und meine bisherigen Erfahrungen und Qualifikationen gut einbringen.“
  • Eine neue Herausforderung: Was nach einer häufigen Phrase klingt, kann richtig begründet zum Pluspunkt werden. Formulierungstipps für die Bewerbung: „In meiner bisherigen Position habe ich viele Ziele erreicht und Projekte erfolgreich umgesetzt. Jetzt würde ich mein Potenzial gern Ihnen zur Verfügung stellen und schauen, was wir gemeinsam schaffen können.“ Oder: „Ihr Mitarbeiter X hat mir von Ihrem Unternehmen berichtet. Dabei habe ich festgestellt, dass ich in meiner aktuellen Position festgefahren bin und sich mir bei Ihnen eine spannende Herausforderung bieten könnte.“
  • Eine andere Perspektive: Sie beherrschen Ihr Metier aus dem Effeff und sind neugierig auf eine neue Arbeitsweise oder Branche. Formulierungstipps für die Bewerbung: „Nach mehrjähriger Arbeit auf Dienstleisterseite möchte ich gern die Kundenperspektive einnehmen und so meinen Horizont sowie meine Kompetenzen erweitern.“ Oder: „Nach vielen Erfahrungen auf dem deutschen Markt wünsche ich mir ein internationales Arbeitsumfeld. Ihre Position bietet dafür optimale Voraussetzungen.“
  • Ein gesundheitlicher Zwang: Macht Sie Ihr bisheriger Job krank oder können Sie ihn wegen gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr ausüben, dann ist das natürlich für Sie ein guter Grund. Sie sollten dann aber zweifelsfrei darlegen, dass Ihre Situation die neue Tätigkeit nicht beeinträchtigt. Formulierungstipps für die Bewerbung: „Auf ärztlichen Rat hin darf ich meine momentane Tätigkeit nicht mehr ausüben. Ihre Position aber kann ich uneingeschränkt übernehmen und dafür meine bisherigen Erfahrungen gut einsetzen.“ Oder: „Meine Gesundheit zwingt mich, beruflich kürzerzutreten. Deshalb möchte ich mich umorientieren und Ihnen als motivierter Quereinsteiger in Teilzeit meine Kompetenzen und schnelle Auffassungsaufgabe anbieten.“

5 schlechte Gründe, den Job zu wechseln

  • Mehr Gehalt: Mit diesem Wunsch hinterlassen Sie keinen guten Eindruck. Denn geht es Ihnen vorrangig um ein höheres Einkommen, kommt der Job bei Ihnen womöglich nicht an erster Stelle. Davon wird kein Arbeitgeber begeistert sein.
  • Mehr Ansehen: Für ein renommiertes Unternehmen zu arbeiten, kann ein gutes Ziel sein. Doch das allein beeindruckt in der Personalabteilung niemanden. Womöglich wollen Sie mit der Stelle bloss angeben oder sich für einen weiteren Wechsel gut aufstellen und sind an ihr selbst nicht besonders interessiert.
  • Weniger Verantwortung: Möchten Sie Kompetenzen abgeben, dann spricht das nicht gerade für grosses Engagement. Um diesen Eindruck zu verhindern, sollten Sie Ihren Wunsch plausibel erklären, zum Beispiel mit einem veränderten persönlichen Umfeld. Oder damit, dass Sie Ihre Kräfte stärker bündeln wollen.
  • Mehr Freizeit: Auch hier brauchen Sie gute Argumente. Andernfalls wird man Sie kaum als eine tatkräftige Bereicherung ansehen, die auch mal Überstunden einlegt oder besonderes Engagement zeigt.
  • Weniger Langeweile: Auch das nennen Sie besser nicht als Grund für einen Jobwechsel. Denn empfinden Sie Ihre momentane Aufgabe als öde, dann liegt das auch an Ihnen. Sie wirken dadurch träge und schwerfällig. Und wer garantiert, dass Sie auch Ihrer neuen Aufgabe nicht bald schon überdrüssig sind?

Nicht jeder dieser Gründe ist automatisch ein Karrierekiller. Es kommt allerdings stark darauf an, wie Sie ihn vermitteln. Gehen Sie diplomatisch vor, und stellen Sie Ihren Wert für das neue Unternehmen heraus. Dafür müssen Sie gegebenenfalls Ihre Argumentation anpassen beziehungsweise deren Fokus anders setzen. Beispiel Gehalt: Sagen Sie nicht, dass Sie damit bislang unzufrieden sind. Sprechen Sie besser von einer Aufgabe, in der Sie Ihre Fähigkeiten optimal ausspielen können und bei der das auch fair honoriert wird.

Haben Sie gute Gründe für einen Jobwechsel? Wir geben Ihnen gern Orientierung für Ihren nächsten Schritt in Ihre berufliche Zukunft. Einen Anfang können Sie einfach mit unserer Jobsuche machen.

Bildquelle: © Canvas

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