Setzen Sie Grenzen: Im Job einfach mal nein sagen

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Von Christina Holl on 16. August 2021

Ein entschiedenes Nein bringen viele Menschen im Job nur schwer über die Lippen. Schliesslich wollen sie die Vorgesetzten oder die Kolleg*innen nicht enttäuschen – und schieben eine Überstunde nach der nächsten. Doch wer immer nur ja sagt, schadet am Ende der eigenen Karriere. Hier lesen Sie, wie Sie lernen, im Job nein zu sagen. 

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Überstunden aus Gefälligkeit 

Am Arbeitsplatz ein „Ja“ zu sagen, ist nicht schwer. Aber „nein“ sagen im Beruf – das ist schon schwieriger. Egal, ob der Kollege Aufgaben abwälzt, die Chefin mal wieder um Überstunden bittet oder Sie zum dritten Mal in Folge das Mittagessen fürs Grossraumbüro einkaufen: Es gibt viele Situationen, über die man sich schön ärgert, während einem das „Ja“ über die Lippen kommt. Lernen Sie also nein zu sagen im Job!

Manchen fällt es grundsätzlich nicht schwer, Extra-Arbeit abzulehnen oder einen Gefallen auszuschlagen. Andere brauchen ein wenig Zeit, bis sie im Beruf nein sagen. Und wieder andere lernen es nie. Das ist zwar gut für die Kolleg*innen und für Ihre Vorgesetzten, aber schlecht für Sie und Ihre Work-Life-Balance. Und so kommt es immer wieder vor, dass einzelne Mitarbeiter*innen Überstunde um Überstunde leisten – nur, weil sie den anderen zu oft etwas abgenommen haben.

Wer immer ja sagt, schadet seiner Karriere 

Ein solches Verhalten ist auf Dauer nicht nur schlecht für die Gesundheit und Gift fürs Privatleben, sondern schadet womöglich sogar Ihrer Karriere. Falls Sie immer wieder bereitwillig in die Gefälligkeitsfalle tappen, bekommen Sie vielleicht eines Tages im Mitarbeitergespräch zu hören, Sie müssten an Ihren Prioritäten arbeiten – und die Kollegen werden befördert. Höchste Zeit, das zu ändern.

Überwinden Sie sich und lernen Sie, wie Sie im Job auch mal nein sagen. Mit unseren Tipps werden Sie sehen: Es ist gar nicht schwer. Und Ihr selbstbewusstes Auftreten im Beruf wird Sie voranbringen.

Tipp 1: Bitten Sie um Bedenkzeit 

Eine gute Strategie, um das nein sagen im Job zu lernen, ist es, zunächst um Bedenkzeit zu bitten. Nehmen Sie sich fünf oder zehn Minuten oder auch mal bis zum nächsten Tag Zeit für Ihre Antwort, wenn hinter der Bitte sehr viel zusätzliche Arbeit steckt. Stellen Sie sich dann einige Fragen, um die Situation besser einschätzen zu können.

  • Was genau soll ich tun?
  • Möchte ich das und bringt es meine Karriere voran?
  • Was muss ich dafür geben? Wie viel Zeit kostet es mich? Und leiden meine eigenen Aufgaben darunter?
  • Worauf muss ich verzichten, wenn ich der Bitte nachkomme?
  • Wer bittet mich da um einen Gefallen? Und was bedeutet es mir, diesem Menschen zu helfen? Unterstützt mich der Kollege oder die Kollegin auch jederzeit?

Diese Fragen sollten Sie immer im Hinterkopf behalten. Denn so werden Sie ständig daran erinnert, wann es Zeit ist, nein zu sagen.

Tipp 2: Erkennen Sie Ihre Grenzen 

Wo ist Ihre Belastungsgrenze? Wie viel Mehrarbeit ist für Sie akzeptabel? Was übersteigt Ihre Kapazitäten? Hören Sie auf Ihr Gefühl und machen Sie sich Ihre Bedürfnisse bewusst. Sprechen Sie mit Kolleg*innen offen darüber, wenn diese mit einem Anliegen auf Sie zukommen.

Haben Sie keine Scheu: Es zeugt nicht etwa von Schwäche, eigene Bedürfnisse zu artikulieren. Im Gegenteil. Ein freundliches Nein bringt Ihnen von den Kolleg*innen langfristig mehr Respekt ein als grenzenlose Hilfsbereitschaft. Die wird nämlich irgendwann selbstverständlich und in der Folge ausgenutzt.

Tipp 3: Denken Sie nicht so viel über andere nach

Oftmals sind wir besorgt, jemanden zu enttäuschen, wenn wir eine Bitte oder Arbeit ablehnen. Schliesslich ist ein gutes Verhältnis zu den Kolleg*innen und Vorgesetzten sehr viel wert. Klar wollen wir hilfsbereit sein. Sie schätzen es ja auch, wenn Sie in kritischen Situationen Hilfe bekommen. Dennoch: Wägen Sie genau ab, wann Sie helfen und wann Sie im Beruf nein sagen müssen. Im Job ist es wichtig, an andere zu denken. Aber vergessen Sie darüber sich selbst nicht.

Tipp 4: Denken Sie an sich

Spätestens wenn die Kolleg*innen vor Ihnen nach Hause gehen und Sie noch deren Aufgaben fertigstellen, ist Schluss. Auch Sie haben Anspruch auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Hören Sie ab sofort auf, den anderen Arbeit abzunehmen. Seien Sie selbstbewusst im Job und sagen Sie mutig nein – höflich, aber bestimmt.

Vielleicht werden Ihre Kolleg*innen das erste Mal überrascht sein. Aber sie werden jemand anderen fragen. Und Sie können erleichtert sein, denn: 

  • Sie können stolz sein, weil Sie sich endlich getraut haben, Nein zu sagen.
  • Die Reaktion wird gar nicht so unangenehm sein wie Sie befürchtet hatten.
  • Und Sie werden keine zusätzlichen Aufgaben auf Ihrem Schreibtisch liegen haben.

Tipp 5: Begründen Sie Ihre Entscheidung

Wenn Sie im Beruf nein sagen, stossen Sie bei anderen auf mehr Verständnis, wenn Sie ihnen Ihre Entscheidung schonend und gut begründet beibringen. Es ist zum Beispiel angemessen, eine Bitte abzulehnen, falls dadurch wichtige eigene Interessen auf der Strecke bleiben. Zudem können Sie Ihrem Gegenüber auch mögliche negative Konsequenzen vor Augen führen, die eintreten, wenn Sie dem Anliegen nachkommen.

Und denken Sie daran: Der Ton macht die Musik. Tragen Sie Ihre Argumente in einem angemessenen Ton vor. Seien Sie souverän und kommunizieren Sie klar und eindeutig. Nehmen Sie eine selbstbewusste Körperhaltung ein, zum Beispiel, indem sie mit beiden Füssen fest auf dem Boden stehen, den Rücken durchdrücken und Blickkontakt suchen.

Tipp 6: Gehen Sie sehr behutsam vor, wenn es Vorgesetzte sind

Besonders schwierig ist es, Vorgesetzten eine Bitte abzuschlagen. Doch was, wenn Sie schon das vierte Wochenende hintereinander arbeiten sollen? Nein sagen zum Chef oder zur Chefin ist besonders schwer – aber durchaus machbar, wenn Sie souverän auftreten. Allerdings sollten Sie mit viel Feingefühl vorgehen, wenn Sie Vorgesetzten einen Korb geben. Das gilt vor allem dann, wenn es jemand ist, der mit Absagen schlecht umgehen kann und sie schnell persönlich nimmt.

Mit folgender Strategie gelingt das Nein sagen zu Vorgesetzten:

  • Hören Sie sich das Anliegen aufmerksam an und lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden, auch wenn Sie wissen, dass Sie die Bitte ablehnen wollen. So zeigen Sie Ernsthaftigkeit und guten Willen.
  • Beginnen Sie Ihre Ablehnung mit der Phrase „Ja, aber …“
  • Weichen Sie dann subtil aus.
  • Bieten Sie Alternativen an: Sie sind gerade mit anderen, dringenden Dingen beschäftigt, aber vielleicht hat ein*e Kolleg*in Zeit?
  • Machen Sie die Folgen klar, wenn Sie die Aufgabe annehmen: Verschieben sich vielleicht andere Projekte nach hinten?
  • Dramatisieren Sie: Vielleicht sind Sie gerade anderweitig „extrem eingespannt“ und fühlen sich „sehr unwohl“, weil Sie dem neuen Anliegen nur wenig Aufmerksamkeit widmen können?
  • Bitten Sie um Mithilfe: Allein können Sie die neuen Aufgaben nicht stemmen. Falls der oder die Vorgesetzte niemanden hat, der Ihnen dabei zur Seite stehen kann, sucht er oder sie sich vielleicht jemand anderen mit mehr Zeit.

Tipp 7: Richtig nein sagen: Das sollten Sie unterlassen

Im Beruf nein zu sagen, kostet Überwindung. Dennoch sollten Sie zwei Dinge unbedingt unterlassen: Rechtfertigen Sie sich nicht und lügen Sie niemals!

Sie brauchen sich nicht dafür zu entschuldigen, dass Sie auf Ihre Bedürfnisse achten. Halten Sie sich vor Augen, dass Ihr Gegenüber mit einem zusätzlichen Arbeitsauftrag an Sie herantritt, den Sie neben Ihrem Pensum erledigen sollen. Reden Sie auch nicht um den heissen Brei herum. Sonst laufen Sie Gefahr, am Ende wortbrüchig dazustehen.

Auf keinen Fall aber sollten Sie lügen, wenn Sie eine Aufgabe nicht übernehmen möchten. Auch nicht im Notfall. Denken Sie daran, dass die meisten Lügen früher oder später ans Licht kommen. Und dann haben Sie Ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der anderen dauerhaft verspielt.

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